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Dampfspeicherlok nach Naumburg

Wegen dem Umbau des Bahnhofes Kassel-Wilhelmshöhe Süd und dem damit verbundene Verlust von Abstellgleisen, mussten im Jahr 1987 mehrere Fahrzeuge des Hessencourrier eine andere Bleibe finden. Deshalb sollten drei Kesselwagen und die Dampfspeicherlok nach Naumburg überführt werden.
Eigentlich hätten wir die Lok auch kalt schleppen können, doch zur damaligen Zeit war die Lokmannschaft in ihrem Engagement kaum zu bremsen. Natürlich muss eine Überführung mit Schmierdampf erfolgen!

Für die Überführung der überzähligen Fahrzeuge nach Naumburg, wurde eine illustre Fuhre zusammengestellt:

Zuglok war der E-Kuppler HC 206, dahinter die Dampfspeicherlok, gefolgt von drei zweiachsigen Kesselwagen. Am Zugende lief der G10 mit Bremserhaus (ist ein pr. GH 02, wird aber im Verein nur der G10 genannt), in dem das reichlich vorhandene Begleitpersonal mit fuhr.

Der Dampfspeicher war an die Heizkupplung der 206 gekuppelt, um auch während der Fahrt etwas Frischdampf nachzuspeisen.

Die Gleisanlagen zur Ausfahrt befanden sich inmitten der Baustelle für die Neubaustrecke Hannover – Würzburg, deshalb war zunächst eine Sägefahrt zum Ausfahrtsignal erforderlich. Als die Ausfahrt gestellt war, machten wir uns auf den Weg nach Naumburg. Mit rythmischen Zucken, begleitet von ebenso rythmischen Klappern setzte sich die Fuhre langsam in Bewegung. Jeder Schienenstoss dröhnt in den drei leeren Kesselwagen und sorgt für zusätzliche Geräuschentwicklung.

Kurz vor erreichen des Einschaltpunktes für den Bahnübergang Leuschnerstraße kam es zum ersten ausserplanmäßigen Halt, denn vom rechten Treibstangenlager stieg blauer Rauch auf. Offenbar ist es dem Lager zu heiß geworden, deshalb wird erstmal mit Dampföl nachgeschmiert und die Lagerschalen etwas gelockert.



Die weitere Fahrt wird fortan von zahlreichen Schmierhalten unterbrochen.
Nach gut drei Stunden hatten wir die 33 Kilometer nach Naumburg ohne weitere Störungen zurückgelegt. Hier wurden die Fahrzeuge auf die Abstellgleise verteilt und Wasser gefasst.

Danach ging es mit der 206 und dem G10 zügig wieder zurück nach Kassel.

Vor der Einfahrt in Wilhelmshöhe begegnete uns ein Sonderzug mit 01 1066, dessen Fahrgäste angesichts unserer Dampfeinlage offenbar sehr überrascht waren.


Seit diesen Tagen steht die ehemalige Enka-Lok vor dem Güterschuppen in Naumburg. Von Zeit zu Zeit erhält sie von den Mitgliedern des Vereins Eisenbahnmuseum Naumburg auch einen neuen Anstrich.

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Dampfspeicherlok in Kassel

Nachdem die Lok 3 des Enka-Werk Kassel der Museumseisenbahn Hessencourrier überlassen wurde, stand die Krupp-Lok Nr.4 noch einige Zeit im Werksgelände in Kassel-Bettenhausen. Der Zerlegung ist sie momentan noch entgangen, da der Verwertungsbetrieb sie vor seinem Firmengelände, nicht weit vom Bahnhof Kassel-Bettenhausen, als Schaustück aufgestellt hat.


Hersteller: Krupp
Fabriknummer: 3110
Baujahr: 1960

Die Aufnahmen entstanden im April 2007

Die Dampfspeicherlokomotive

In Kassel-Bettenhausen befand sich bis 1984 ein Chemiewerk der Enka Glanzstoff. Für den Werksverkehr waren zwei Dampfspeicherlokomotiven vorhanden. Je ein B-Kuppler von Krupp und von Henschel. Nachdem die Eigentümer die Werksschließung beschlossen und umgesetzt hatten, standen die Lokomotiven ungenutzt im Werksgelände.
Im Jahr 1985 stiftete die das Unternehmen die Henschel-Lokomotive Lokomotive dem Verein Hessencourrier. Die Lok wurde 1949 von Henschel & Sohn in Kassel gebaut und hat damit einen direkten Bezug zur Kasseler Industriegeschichte. In einer kleinen Übergabezeremonie wurde die Lok 3 an den Verein übergeben und anschließend mit einer Lok der Baureihe 290 nach Kassel- Wilhelmshöhe Süd geschleppt.
Hier stand sie zunächst viele Monate unbeachtet auf dem Abstellgleis. Das bevorstehendem Jubiläum „15 Jahre Hessencourrier“ ließ die Idee reifen, diese interessante Maschine wieder in Betrieb zu nehmen. Aus diesem Grund wurde der große Dampfbehälter TÜV abgenommen und die Lauffähigkeit hergestellt.


Nach wenigen Wochen stand die HC 3 frisch lackiert in Kassel Wilhelmshöhe Süd.


Die neue Lackierung wurde in klassischer Dampflok- Farbgebung aufgebracht, also unten rot und oben schwarz. (Farben waren zu dieser Zeit im Verein ein sensibeles Thema, da man bemüht war, dass Image des „bunten“ Zuges abzulegen).
Zum befüllen des Dampfspeichers wurde extra eine Füllkupplung angefertigt. Über die Dampfheizung konnte nun Frischdampf aus dem Kessel der Lok 206 in den Dampfspeicher geblasen. Wenn ich mich richtig erinnere, hat es über 20 Stunden gedauert, bis sich der erforderliche Druck aufgebaut hatte. Danach konnte unser Dampfspeicher das erste Mal alleine mit Dampf fahren. Es hat allen viel Spaß gemacht, mit dem ungewöhnlichen Gefährt über das Bahnhofsgelände zu dampfen.

Zum Tag der offenen Tür konnte der Verein zusammen mit der HC 206 und der HC 5 erstmals drei Dampflokomotiven in Betrieb präsentieren und vielen Gästen die Mitfahrt auf einer Feuerlosen Dampflokomotive ermöglichen.

Wie eine Dampfspeicherlokomotive funktioniert steht bei Wikipedia.

Mit der VW-Draisine unterwegs

Ein Film aus dem Jahr 2005